Anklage schildert Misshandlungen in Kita

Foto: Sascha Ditscher

 

In einer rheinland-pfälzischen Dorf-Kita sollen Erzieherinnen ihre Schützlinge auf grausame Weise gequält haben. Nun stehen sie vor Gericht – schweigen aber zu den Vorwürfen. Dafür ergreift eine Verteidigerin das Wort und spricht von einer Hexenjagd.

Gefesselte und eingesperrte kleine Kinder, in enge Hochstühle gequetscht und brutal zum Essen gezwungen: Die Anklage zeichnet beim Koblenzer Prozessauftakt gegen vier ehemalige Kita-Erzieherinnen ein grausames Bild. Die Frauen im Alter zwischen 31 und 55 äußern sich nicht zu den Vorwürfen. Nur eine Verteidigerin, Sandra Karduck, weist diese ausführlich zurück. Sie spricht von einer Kampagne und einer Hexenjagd.

Betroffene Eltern haben lange auf diesen Tag gewartet – die mutmaßlichen Misshandlungen im Kindergarten Regenbogen im rheinland-pfälzischen Antweiler hatten schon vor rund fünf Jahren bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Langwierige Ermittlungen und die Überlastung einer zunächst zuständigen anderen Kammer mit vordringlicheren Verfahren mit Untersuchungshaft haben laut Gericht für die Verzögerung gesorgt.

Staatsanwältin Daniela Knoop-Kosin wirft drei der Angeklagten Misshandlungen zwischen Februar 2012 und November 2013 vor. Die vierte Frau habe die Taten nicht verhindert. Die Erzieherinnen sollen unruhige Kinder an ihren Stuhl gefesselt, in kleine Hochstühle gequetscht oder ihren Mund mit Klebeband verschlossen haben.

Kinder leiden an Störungen

Kinder, die ihr Essen ausgespuckt hätten, sollen in dunkle Räume gesperrt, geschlagen oder anderweitig gezwungen worden sein, das Essen erneut in den Mund zu nehmen und herunterzuschlucken. Ihr Schluckreflex sei teils gewaltsam und auch mit einer Flüssigkeit ausgelöst worden. Manche der kleinen Opfer hätten Entwicklungsstörungen und posttraumatische Belastungsstörungen davongetragen, erklärt Knoop-Kosin. Sie spricht von Misshandlung von Schutzbefohlenen, Freiheitsberaubung und Nötigung.

Verteidigerin Karduck betont, auch in diesem “hoch emotionalisierten Verfahren” gelte die Unschuldsvermutung. Sie verweist auf ein erst Jahre nach den mutmaßlichen Taten erstelltes aussagepsychologisches Gutachten und sagt: “Die Kinder konnten gegenüber der Gutachterin keine eigenen Erinnerungen an das vermeintliche Geschehen äußern.” Die “Kampagne” gegen die Kita sei von einer “bestimmten Person” losgetreten worden – gemeint ist augenscheinlich eine Mutter, die als Nebenklägerin auftritt.

Der Koblenzer Prozessauftakt endet wegen des Schweigens der Angeklagten schon nach einer halben Stunde. Der Vorsitzende Richter Ralf Bock sagt: “Ich hoffe natürlich auch, dass das Verfahren nicht Jahrzehnte dauert, sondern in überschaubarer Zeit zu Ende ist.” Danach verteilt Anwältin Karduck ihre Ausführungen schriftlich an Journalisten.

Nebenklägerin Irina Enting ist erleichtert, “dass es losgeht und dass die Anklage umfänglicher ist, als ich dachte.” Ihr Anwalt Peter Benens vermutet, dass auch betroffene Kinder als Zeugen im Prozess aussagen müssen – das könne sie erneut belasten. Weiter soll es am 16. Mai gehen. Vorerst sind 13 Verhandlungstage bis Mitte Juli geplant.

Source :

n-tv.de

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