Arbeiter in 79 Metallbetrieben legen die Arbeit nieder

Warnstreiks in Nürnberg. Foto: Oliver Dietze/dpa

 

Fast 3.000 Beschäftigte haben sich laut Polizei an der größten Kundgebung heute in Nürnberg beteiligt. Am vierten bayerischen Aktionstag im Tarifstreit waren 79 Betriebe in Bayern zum Warnstreik aufgerufen.

Die IG Metall mit ihren 835.000 Beschäftigten in Bayern hat heute ihren Tarifkampf fortgesetzt. 79 Betriebe in Bayern wurden zum Streik aufgerufen. Die größte Kundgebung fand am Vormittag in Nürnberg statt, wo die Frühschichten von 25 Betrieben der Metall- und Elektroindustrie aus Nürnberg und dem Nürnberger Land zum Warnstreik aufgerufen waren. Die IG Metall erwartete 5.000 Teilnehmer, laut Polizei kamen 3.000 zu der Kundgebung. Die Gewerkschaft war dennoch zufrieden.

IG Metall will Druck erhöhen

Drei Prodestzüge der Metaller zum Kundgebungsort hatten auf wichtigen Nürnberger Zubringerstraßen für Staus gesorgt. Mit dem öffentlichkeitswirksamen Warnstreik wollte die IG Metall erneut den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, sagte IG Metall Bayern-Verhandlungsführer Jürgen Wechsler dem Bayerischen Rundfunk. Das Recht auf Arbeitszeitverkürzung müsse tarifvertraglich festgeschrieben werden. Die Arbeitgeber müssten ihren Beschäftigten unter anderem auch die Flexibilität bei der Arbeitszeit bieten, die sie sebst von den Mitarbeitern erwarteten, so Wechsler. Abrücken will die IG Metall davon auf keinen Fall.

Sollte bis spätestens Ende Januar kein akzeptables Ergebnis vorliegen sei “Schicht im Schacht”, so Wechsler wörtlich. Auch nach der neuen Verhandlungsrunde am Montag werde die Gewerkschaft bei ihren Aktionen noch zulegen.

Forderungen der IG Metall

Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Geld und Ausbildungsvergütung für eine Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber haben bisher lediglich 2,0 Prozent mehr Lohn für 15 Monate und eine Einmalzahlung von 200 Euro angeboten. Zudem fordert die Gewerkschaft ein Recht auf eine verkürzte Vollzeit: 28 statt 35 Stunden in der Woche für bis zu zwei Jahre, ein Rückkehrrecht und einen Lohnausgleich für Eltern, Pflegende und Schichtarbeiter. Heute (11.01.18) beginnt die dritte Verhandlungsrunde für die bundesweit 3,9 Millionen Beschäftigten in Böblingen. Die bayerischen Tarifparteien verhandeln am kommenden Montag (15.01.18) in Nürnberg.

1.800 Warnstreik-Teilnehmer in Augsburg

Ihre flächendeckenden Warnstreiks hat die IG Metall auch in anderen bayerischen Regionen fortgesetzt. Neben Nürnberg lagen weitere Schwerpunkte in Bamberg und Augsburg. Dort beteiligten sich die Mitarbeiter von MAN Diesel & Turbo, manroland web systems und MT Aerospace. Das Fazit von MAN Diesel-Betriebsrat Oskar Ritsch war äußerst positiv: An die 1.800 Beschäftigte kamen und zogen vor das Werkstor. Die MAN-Belegschaft wurde dabei von Mitarbeitern von manroland, MT Aerospace und Böwe Systec unterstützt.

Auch Betriebe im Allgäu beteiligten sich erstmals an den Aktionen der IG Metall: Es waren die Mitarbeiter bei PMG in Füssen zu Warnstreiks aufgerufen. Kundgebungen soll es zwar keine geben, allerdings werden die Mitglieder dazu angehalten, die Arbeit etwa zwei Stunden vor dem regulären Ende der Frühschicht einzustellen und heimzugehen.

Arbeitsniederlegungen in Oberfranken

Den Anfang in Oberfranken machten Arbeitnehmer der KSB AG in Pegnitz mit einem Demozug und einer Kundgebung vor dem Verwaltungsgebäude. Später ging es bei Kennametal in Mistelgau mit einer Kundgebung weiter. Auch bei ABM in Marktredwitz sowie bei ZF in Bayreuth-Wolfsbach und bei Glenn Dimplex in Kulmbach wurde in den Warnstreik getreten. Die Mitglieder der IG Metall Coburg üben ebenso weiter Druck aus: So wurde bei der Firma Waldrich in Coburg die Arbeit für eine Stunde niedergelegt.

Warnstreiks in Unterfranken

Und auch in Unterfranken ging der Protest der Gewerkschaft weiter: Dort haben sich am Vormittag rund 250 Beschäftigte beteiligt. Laut Gewerkschaftssprecher Peter Kippes handelte es sich dabei um rund 200 Schaeffler-Mitarbeiter, dazu kamen noch rund 30 Beschäftigte der Fränkischen Rohrwerke in Königsberg und 20 von Bosch Rexroth in Augsfeld. An einer Kundgebung bei der Firma WIKA in Klingenberg im Landkreis Miltenberg nahmen bis zu 350 Beschäftigte teil. Weitere Kundgebungen folgten noch bei KUKA Industries in Obernburg und bei Bosch Rexroth in Volkach.

Warnstreiks in Ost- und Oberbayern

Rund 6.000 Beschäftigte sollten allein in München die Arbeit niederlegen. Bei MTU Aero Engine haben sich laut IG Metall rund 2.000 Mitarbeiter am Warnstreik beteiligt. Bei BMW beginnt die Aktion mittags. Dort sollen mit dem Aufruf gezielt Ingenieure und Forscher zu einer Versammlung geholt werden, sagte Betriebsratssprecher Erwin Thoma. Getreikt wird auch bei Robert Bosch. Am Nachmittag wird auch das BMW-Werk in Regensburg bestreikt. Die BMWler werden von Kollegen weiterer Firmen wie der Allgemeinen Fahrzeugübernahme GmbH unterstützt.

Warnstreiks werden mittags weitergeführt

Am Mittag wird auch der Beleuchtungsspezialist Siteco und der Hausgerätehersteller BSH in Traunreuth bestreikt. In Siegsdorf wollen Mitarbeiter von ECOLAB die Arbeit niederlegen. ECOLAB produziert Mess- und Dosiersysteme für technische Anlagen in verschiedenen Branchen. Am Nachmittag ist dann die Belegschaft des Automobilzulieferers Conti Temic microelectronic zum Warnstreik in Ingolstadt aufgerufen.

In Niederbayern wird am Nachmittag unter anderem bei MAN Turbo in Deggendorf und bei Rodenstock in Regen gestreikt. Weitere Warnstreiks in Ostbayern gab oder gibt es heute bei Mahle Behr in Neustadt an der Donau, Rohde & Schwarz in Teisnach und bei ZF in Thyrnau.

Source :

BR

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