Beim DFB knallt’s, Manuel Neuer freut’s

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Nicht nur Manuel Neuer erkennt: Für die deutsche Mannschaft gibt es bei der Fußball-WM jetzt nur noch Endspiele. Warum sein Team das Achtelfinale erreicht? Weil die Spieler so offen wie selten diskutierten – und die Qualität ja da sei.

Manuel Neuer spricht. Zumindest in der Parallelwelt des Fußballs hat das Nachrichtenwert, zumal sie gerade in Russland um die Weltmeisterschaft spielen. Für die deutsche Mannschaft hat das Turnier nicht so gut begonnen, der Titelverteidiger verlor am Sonntag in Moskau mit 0:1 gegen Mexiko. Nach einem ebenso arroganten wie hilflosen Auftritt liegt die Vermutung nahe, dass irgendetwas in dieser Mannschaft im Argen liegt. Nun also sollte Neuer nach einem Tag des Schweigens erklären, woran es lag. Das versuchte er auch. Seine Kernbotschaften aber richteten sich nach vorne und lauteten: “Wir sind eine Mannschaft, es gibt keine Spaltung.” Und: “Ich bin überzeugt, dass es besser wird.”

Neuer saß auf dem Podium im Kinosaal des Teamhotels in Watutinki, weil er der Kapitän dieser Mannschaft ist. Er saß vielleicht aber auch dort, weil er einer der wenigen war, der im Luschniki-Stadion eine tadellose Leistung geboten hatte. Vor dem Turnier hatten noch alle ausgiebig darüber diskutiert, ob der Torhüter des FC Bayern nach seiner achtmonatigen Verletzungspause überhaupt in der Lage sei, ein langes und anstrengendes Turnier zu absolvieren. Jetzt ist das kein Thema mehr. Schon bei seinem Comeback beim 1:2 im Testspiel in Österreich hatte sich angedeutet, dass Neuer auch nach 259 Tagen ohne Wettkampfsport nicht das Problem ist. Und vielleicht dauert diese WM für die deutsche Mannschaft ja auch gar nicht mehr so lange. Das sieht Neuer definitiv anders. Bei aller Schelte sei es so: “Wir sind unsere schärfsten Kritiker und sauer auf uns selbst.”

“Haben jetzt nur noch Endspiele”

Aber auch Neuer weiß, dass “wir jetzt nur noch Finals haben”. Er weiß, dass sein 78. Länderspiel am Samstag eines seiner wichtigeren wird. Im Fisht-Stadion in Sotschi geht es dann gegen Schweden (ab 20 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Und will die DFB-Elf diese Weltmeisterschaft nicht nach der Vorrunde schon verlassen, muss sie dieses Spiel gewinnen. Das heißt auch, dass sie die Fehler aus dem Spiel gegen Mexiko nicht wiederholen darf. Nicht bei der Einstellung, und nicht bei der taktischen Naivität. Wo hätte da etwas passieren müssen? Da redete Neuer nicht lange drumherum: “Die Hauptursache liegt natürlich bei uns Führungsspielern, dass wir diese Bereitschaft nicht hatten, auf dem Platz das selber in die Hand zu nehmen und zu organisieren.”

Deswegen hätten er und seine Kollegen viel miteinander diskutiert, bereits nach dem Spiel im Bus auf der Fahrt ins Teamquartier hätten sie damit begonnen. Einige hätten am liebsten noch am selben Abend das nächste Spiel absolviert, “um es wieder gutzumachen”. Aber wie offen war dieses Aussprache, hat es gar geknallt? Einzelheiten wollte Neuer nicht nennen. Nur so viel: “Wir nehmen kein Blatt vor den Mund und sagen uns ehrlich unsere Meinung. Es hat geknallt, das kann man so sagen.” Es sei aber ein “befreiendes Gefühl, darüber zu sprechen, was man verbessern kann”. So stark sei die Kommunikation im Team noch nie gewesen. So ernst war die Lage unter Bundestrainer Joachim Löw allerdings auch selten – und noch nie so früh in einem Turnier.

Neuer sieht das Problem nicht in mangelnder Qualität: “Grundsätzlich ist es so, dass diese Spieler, die auf dem Platz standen, ihre Leistung abrufen können.”Aber auch er räumte ein: “Den Hebel umzulegen, das ist nicht so einfach, wie man das jetzt aussprechen mag.” Sein Vorschlag: “Wir müssen die ganzen Finals, die jetzt anstehen, positiv angehen. Ich bin überzeugt, dass es gegen Schweden besser wird.” Sprach’s und ging, wohlmöglich, um seinen Koffer zu packen. Die deutsche Mannschaft machte sich noch an diesem Dienstag auf den Weg ans Schwarze Meer, ab in die Wohlfühloase nach Sotschi. Dort hatten sich die Deutschen beim Confed Cup vor ziemlich genau einem Jahr so wohlgefühlt, dass sie mit einer besseren B-Mannschaft das Turnier gewannen. Ein gutes Omen? Wenn die DFB-Elf so überzeugend spielt, wie ihr Kapitän aufgetreten ist, könnte das noch was werden bei der WM. Aber Neuer ist ja auch nicht das Problem.

Source :

n-tv.de

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