Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit. Strenge Regeln für Regenschirme

Foto: Jörg Carstensen/dpa

 

Bei Sturm, Kälte und Regen feiert niemand gern im Freien, auch nicht, wenn es um den Tag der Deutschen Einheit geht. Am Dienstagnachmittag, dem zweiten Tag des Bürgerfestes rund um das Brandenburger Tor, würden sich Bekannte nicht verfehlen. Es gibt kein Gedränge, alles ist überschaubar, nur wenige Besucher sind gekommen. Die gesamte Festmeile ist nur mäßig gefüllt.

Es ist kalt und windig. Und es regnet. „Es ist schon ein bisschen tragisch, das das Wetter nicht mitspielt“, sagt Julian Mieth, stellvertretender Senatssprecher und Projektleiter für den diesjährigen Tag der Deutschen Einheit der Berliner Zeitung.

Diese Regenschirme durften nicht mit rein. Foto: Stefan Strauß

Nazis müssen draußen bleiben

Viele Tische der Imbisswagen bleiben leer. Die Besucher tragen Regenkleidung und Schirme. Doch die Ordner am Eingang erlauben nur Regenschirme zum Zusammenfalten, auch Knirpse genannt. Schirme mit einer Spitze, oft als Gehstöcke genutzt, sind verboten, ebenso Selfie-Sticks, große Wasserflaschen, Transparente, Knallkörper, Fahrräder und Roller. Auch Nazis müssen draußen bleiben. So steht es auf den Hinweistafeln.

Auch Nazis müssen draußen bleiben. So steht es auf den Hinweistafeln. Foto: Stefan Strauß

Die Straße des 17. Juni ist an diesen Tagen eine historische Meile zur deutsch-deutschen Geschichte. Es geht um Berlin als geteilte Stadt, den Mauerfall, die Wende, das Leben in Ost- und West-Berlin. Auf 28 Tafeln, die an Einkaufskörpern montiert sind, erinnern sich DDR-Bürger an die Wendezeit. Daran, was sie mit dem Begrüßungsgeld von 100 DM gemacht haben. Manche hat das Westgeld gar nicht interessiert. „Wir hatten zu arbeiten, eine Revolution zu bewältigen, zu Demos zu rennen“, schreibt jemand.

Auf einer anderen Tafel steht: „ Man kann sich das heute nicht mehr vorstellen, mit welcher Sorglosigkeit man lebt, wenn Geld egal ist.“ Und auch diese Erinnerung ist zu lesen: „Neben der materiellen Nahrung hatte ich auch Hunger nach geistiger Nahrung!“

Die Mauer, „ein bösartiges Bollwerk“

Im Pavillon auf der anderen Straßenseite ist es warm und trocken. Und voll. Auf dem Podium sitzen frühere Aktivisten, die von West-Berlin aus gegen die Mauer protestiert haben. Es sind Zeitzeugen wie der Künstler Frank Willmann, der die Mauer im Jahr 1986 mit einem weißen Stich versehen wollte. Für ihn und seine Mitstreiter war die Mauer eben keine Projektionsfläche für die Phantasien der Künstler, die sie auf West-Berliner Seite bemalten, ,sondern „ein bösartiges Bollwerk“.

Aus Protest wollte er mit Freunden die Mauer auf ihrer Länge von 155 Kilometer Länge mit einem weißen Strich anstreichen. „Ein leichtfertiger Gedanke“, sagt Willmann heute. Die Aktion scheiterte, jemand aus der hatte sie an die Stasi verraten. DDR-Grenzsoldaten verhafteten die Gruppe, einer kam ins Gefängnis nach Bautzen. Er leide bis heute unter den Folgen, erzählt Willmann.

An den Imbissständen gibt es bei diesem Bürgerfest mehr als schnöde Bratwurst und Bier. Aus Streetfood-Wagen werden Galloway-Rinderbratwürste verkauft und Empanadas aus Uruguay, es gibt Bowle und Knoblauch-Fritten. Wer Hunger hat und Durst, wird schnell bedient. Nirgendwo bilden sich Schlangen, auch nicht an den Toiletten. Vor der Bühne am Brandenburger Tor ist es noch leer. Polizisten stehen im Kreis herum, sie haben nichts zu tun.

Trotz Regen, Kälte und Wind – die Veranstalter hoffen auf den großen Besucherandrang am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit. Ausfallen wird wegen des Wetters keiner vielen Programmpunkte. „Alle Veranstaltungen finden wie geplant statt“, sagt Vize-Senatssprecher Julian Mieth.

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