Deutscland Fehlt Eine Wassestoff-Strategie

Photo : electrive.net

 

Berlin – Der einseitige Fokus auf Stromtechnologien versperrt Deutschland den Weg zu einer zukunftsweisenden Wasserstoff-Strategie. Darin waren sich die Teilnehmer einer Diskussionsrunde auf der Branchenmesse “Gat 2018” in Berlin einig. Die bisherige Bilanz falle “ernüchternd” aus, sagte Peter Röttgen, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE). Der Energiebranche werde es nicht gelingen, die Power-to-Gas-Technologie zur Marktreife zu bringen, wenn von politischer Seite keinerlei unterstützenden Maßnahmen kommen, beklagte er. Dazu gehört aus Branchensicht vor allem eine Reform der Abgaben, Steuern und Umlagen, die den eingesetzten Strom günstiger macht und fossile Brennstoffe verteuert. Dazu könne auch ein sektorübergreifender CO2-Preis beitragen. Für beides gibt es aktuell keinerlei politische Bereitschaft.

Mobilität braucht Wasserstoff

Werner Diwald, Vorsitzender des Deutschen Wasserstoffverbandes, mahnte eine Wasserstoff-Strategie auch mit Blick auf die 1,5 Mio. Arbeitsplätze in der deutschen Autoindustrie an. Denn wer nur auf Elektromobilität setze, erweise der deutschen Industrie einen Bärendienst. Denn diese biete bisher kein einziges E-Auto in Serienproduktion an. Die asiatische und amerikanische Konkurrenz hingegen schon. “Wir brauchen eine politische Strategie für Wasserstoff-Mobilität”, fordert Diwald. Gerade im Schwerlastverkehr werden die Klimaschutzziele nur durch E-Mobilität nicht erreichbar sein. Oberleitungen für LKW sind aus Sicht Diwalds nicht die Lösung. Denn O-Busse gab es in deutschen Städten schon vor Jahrzehnten. “Sie sind aus dem Stadtbild wieder verschwunden, weil sie zu teuer waren”, sagte er.

Industrie vor Verkehr und Wärme

“Wasserstoff wird die Schlüsseltechnologie der Zukunft”, zeigte sich auch Frank Peter, stellvertretender Direktor von Agora Energiewende, überzeugt. Viele Länder würden diesen Markt inzwischen besetzen. “Deutschland fehlt eine Strategie”, bedauerte er. Dabei werde Wasserstoff nach seiner Überzeugung eine zentrale Grundversorgungstechnologie. Zudem ebne sie den erneuerbaren Energien den Weg in den Verkehrs- und Wärmesektor. Die Bundesregierung müsse daher alsbald ein Markteinführungsprogramm beschließen. Denn nur mit einer Befreiung von Umlagen und Abgaben sei es sicher nicht getan, so Peter. Wasserstoff-Experte Diwald bezifferte den Elektrolyse-Bedarf im Jahr 2030 auf mindestens 5.000 MW. Der Aufbau müsse jetzt beginnen. Erste Anwendungsfelder liegen nach Ansicht der Branchenexperten zunächst in der energieintensiven Industrie, etwa in Raffinerien oder in der Stahlproduktion. Dann folgt der Verkehr und später der Wärmesektor.

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