Ein Jahr Alkoholverbot am Hauptbahnhof

Nürnberger Königstorpassage. Foto: BR-Studio Franken/Sebastian Küster

 

Seit genau einem Jahr gilt am Nürnberger Hauptbahnhof ein Alkoholverbot zwischen 22 Uhr abends und sechs Uhr früh. Stadt und Polizei reagierten damit auf die ständig gestiegene Zahl an Straftaten rund um den Bahnhof.

Rund 180.000 Menschen passieren jeden Tag den Nürnberger Hauptbahnhof. Und das Eingangstor vom Bahnhof zur Stadt, die Königstorpassage, hatte sich als Sammelplatz für die Drogenszene etabliert. Durch das Alkoholverbot sieht Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) zumindest eine erste Verbesserung. “Sie lösen eine Großstadtszene nie auf, das wissen wir auch. Und wir wollen auch nicht, dass sich in der Bahnhofsunterführung kein Mensch mehr aufhält. Bahnhöfe und Bahnhofsumgebungen sind immer die Orte, wo die verlorenen Seelen sich treffen, das weiß ich auch. Da ist es aber auch zu viel geworden, dass es nicht mehr ging und wir versuchen das jetzt auf ein erträgliches Maß zurückzudrängen. Wir wissen, dass wir die Zahl der Heroinkonsumenten nicht über repräsive Maßnahmen wegkriegen. Ein Alkoholverbot allein löst natürlich nicht das Problem.”

Und dieses Verbot wird auch durchgesetzt. Die Polizei ist verstärkt vor Ort, so der zuständige Polizeidirektor Hermann Guth. “Wir haben dort eine Dauerpräsenz. Das heißt, es ist immer Polizei vor Ort. Das machen wir aus zwei Gründen, um die Bevölkerung zu beruhigen, um ansprechbar zu sein, aber auch natürlich um Auffälligkeiten entsprechend festzustellen.”

Eine Ausdehnung des Verbotes sei wünschenswert

Doch das Verbot gilt nur nachts, mehr lässt das Gesetz derzeit nicht zu. Laut Guth ist die Trinkerei rund um den Bahnhof aber auch tagsüber problematisch.”Die Situation ist nach wie vor die, dass natürlich in diesem Bereich Alkohol konsumiert wird, beginnend bereits zum Teil ab 9 Uhr und das geht dann bis 2 Uhr. Parallel dazu entwickeln sich während des Tages auch dann Körperverletzungsdelikte. Und es ist zu beobachten, dass der Alkoholisierungsgrad der Täter bei den Körperverletzungsdelikten, aber auch bei den Opfern relativ hoch ist, dass etwa 80 bis 90 Prozent der Täter, aber auch der Opfer, unter Alkoholeinfluss stehen.”

Die Szene sucht sich andere Orte

Bei den Besuchern und Ladenbesitzern am Bahnhof ist das Fazit unterschiedlich. Die Gruppen mit Menschen, die mit Bierdosen herumstehen, seien viel weniger geworden. Andere sprechen davon, dass es weniger Aggression gäbe und auch der Drogenverkauf im Bahnhofsgebäude abgenommen hätte. Doch allen Verantwortlichen ist klar, dass allein Polizei und Verbote nicht helfen werden. Denn die Szene gibt es ja nach wie vor.

Zufriedene Gesichter auf allen Seiten

Deswegen arbeiten Polizei und Stadt mit Hilfsorganisationen zusammen, um die Betroffenen nicht nur vom Bahnhof zu vertreiben, sondern auch Hilfe anzubieten. Eine Massierung, so Polizeidirektor Hermann Guth, sei an einer Stelle nicht mehr feststellbar und sogar die Obdachlosenszene sehe dies eher positiv, da das Vorgehen der Polizei beratend und konstruktiv sei.

Polizei und Stadt wünschen sich nach den erste Erfahrungen jetzt vom Gesetzgeber die Möglichkeit, am Bahnhof den Alkohol rund um die Uhr zu verbieten.

Source :

BR

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