Gewinneinbruch bei Media Markt und Saturn schockt die Börse

KURZ VOR MITTERNACHT ÜBERRASCHTE DER ELEKTRONIKHÄNDLER MIT NOCH VIEL SCHLECHTEREN ZAHLEN ALS OHNEHIN SCHON BEFÜRCHTET. DER KURS BRICHT UM EIN FÜNFTEL EIN.

Foto: obs

 

Die Investoren lassen Ceconomy fallen: Um mehr als 20 Prozent ist der Aktienkurs zum Handelsstart an diesem Dienstagmorgen eingebrochen. Die Papiere notierten bei lediglich 4,50 Euro, das ist nur noch gut ein Drittel dessen, was die Anleger zu Jahresbeginn für eine Aktie bezahlt haben.

Die Börse hat offenbar das Vertrauen in die Muttergesellschaft der Elektronikketten Media Markt und Saturn komplett verloren. Auslöser des Kurssturzes war eine Mitteilung des Unternehmens vom späten Montagabend. Darin hatte Ceconomy erklärt, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr im Vergleich zum Vorjahr von 494 auf 400 Millionen Euro gefallen.

Erst im September hatte der Konzern seine Prognose zurückgenommen, damals aber noch ein Ebit zwischen 460 und 490 Millionen in Aussicht gestellt.

Aktie des Großaktionärs ebenfalls belastet

Die schlechten Zahlen belasten auch den Großaktionär Freenet. Der Aktienkurs gab am Morgen um mehr als drei Prozent auf rund 19 Euro nach. Der Telekommunikationskonzern war im Sommer über eine Kapitalerhöhung eingestiegen.

Auch der operative Gewinn (Ebitda) sank deutlich stärker als erwartet und zwar von 714 Millionen Euro vor Jahresfrist auf 630 Millionen Euro. Bei der Gewinnwarnung im September war noch von einem Ebitda in Höhe von 680 bis 710 Millionen Euro die Rede gewesen. Die Zahlen sind noch vorläufig und ungeprüft, die detaillierten Jahresergebnisse kommen am 19. Dezember.

Als Grund für die schlechten Ergebnisse nannte Ceconomy die Geschäfte bei der Media-Markt-Saturn-Gruppe. Diese seien „deutlich geringer ausgefallen als erwartet“, teilte das Unternehmen in einer kurzen Stellungnahme mit. Der Umsatz soll im Gesamtjahr währungsbereinigt um 0,2 Prozent steigen.

Eigentlich wollte das Unternehmen erst am 25. Oktober vorläufige Zahlen für das vierte Quartal bekanntgeben. Doch angesichts der katastrophalen Geschäftsentwicklung zog es eine Vorabmeldung für das Gesamtjahr vor. Kurz vor Mitternacht ginge eine Adhoc-Meldung an die Anleger.

Ceconomy hatte die Gewinnwarnung im September damit begründet, dass Kunden im Sommer deutlich weniger Fernsehgeräte und andere Elektronikartikel gekauft hätten. Gerade mal einen Monat zuvor hatte das Management seine Prognose noch bestätigt, obwohl schon absehbar war, dass sich der Markt schwierig entwickelt. Mit dem Zusammenschluss von Medimax und Notebooksbilliger.de könnte sich der Druck für Ceconomy zudem weiter erhöhen.

Teuer bezahlter Rückzug aus Russland

Geradezu verzweifelt versucht Ceconomy-Chef Pieter Haas, die Baustellen im Konzern abzuarbeiten. Doch immer wieder kommen Lösungen dabei heraus, die Experten und Investoren nicht vollständig überzeugen. Auch deshalb schafft Haas es nicht, das verlorene Vertrauen in die Aktie zurückzugewinnen.

Beispiel Russland: Über Jahre verlor die Tochter Media Markt dort Geld, ein echter Turnaround war nicht in Sicht. Die gefundene Lösung hat auf den ersten Blick Charme: Ceconomy verkauft das eigene operative Geschäft und erwirbt dafür eine Beteiligung am Marktführer M-Video. Bei einem genauen Blick auf die Konditionen stellt sich bei Beobachtern jedoch das Gefühl ein, dass sich Ceconomy über den Tisch ziehen ließ.

„Ceconomy hat sein Geschäft in Russland praktisch verschenkt und sogar noch draufgezahlt, ohne sich im Gegenzug ausreichende Kontrollrechte bei der Beteiligung an M-Video zu sichern“, wundert sich Christian Bruns, Analyst von Equinet. Das Unternehmen habe den Rückzug „sehr teuer bezahlt“.

Source :

handelsblatt

Be the first to comment

Leave a Reply

Your email address will not be published.


*


five × one =