Hunderte Migranten durchbrechen Grenze zu Mexiko

ZU TAUSENDEN VERLASSEN SIE IHRE HEIMAT HONDURAS, AUF DER FLUCHT VOR GEWALT UND ARMUT. IN GUATEMALA HABEN NUN DIE ERSTEN FLÜCHTLINGE DIE GRENZE ZU MEXIKO DURCHBROCHEN. WIE WIRD TRUMP DARAUF REAGIEREN?

Quelle: Jorge Cabrera/Reuters

 

Auf der Flucht vor Gewalt und Armut in ihrer Heimat hatten sich vor knapp einer Woche mehrere Tausend Honduraner auf den Weg in Richtung USA gemacht. Nun durchbrach eine große Gruppe von ihnen die Grenze zwischen Guatemala und Mexiko. Sie überwanden eine Grenzabsperrung und gelangten auf mexikanisches Territorium, beobachtete ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP im Grenzort Tecún Umán.

Die Menschen drückten eine Metallabsperrung ein, die ihnen den Durchgang versperrte. Vergeblich versuchten Dutzende mexikanische Polizisten und Soldaten mit Panzerfahrzeugen, die Menge aufzuhalten. Mit “Ja, wir können”-Rufen hatte sich die Menge nach einem angespannten Moment zwischen ihr und einem ersten Polizeikordon in Bewegung gesetzt.

Unter den Menschen sind auch viele Frauen und Kinder. “Ich bin glücklich. Wir tun nichts Böses, wir wollen nur Arbeit”, sagte eine Frau, als sie mit einem kleinen Mädchen an der Hand inmitten der Menge die Grenze überschritt.

An der honduranischen Grenze: Migranten stehen der Polizei gegenüber. Sie wollen sich dem Marsch in Richtung USA anschließen. (Quelle: Jorge Cabrera/Reuters)

Ihr Ziel: die Vereinigte Staaten

Die etwa 2000 bis 3000 Menschen waren am vergangenen Samstag in San Pedro Sula im Nordwesten von Honduras aufgebrochen. Ein Großteil von ihnen hatte in den vergangenen Tagen die Grenze zu Guatemala überquert. Mexiko, das nächste Land auf ihrer Route Richtung Vereinigte Staaten, hatte daraufhin angekündigt, Migranten ohne Papiere die Einreise zu verweigern. Allerdings erklärte die mexikanische Bundespolizei, sie werde keine Gewalt anwenden.

US-Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag mit der Schließung der Grenze zu Mexiko durch seine Armee gedroht, sollten die Honduraner in großer Zahl die US-Südgrenze erreichen. “Ich bin bereit dazu, nötigenfalls das Militär zu schicken, um unsere Südgrenze zu schützen”, sagte Trump. Zugleich zog er das Migrationsthema in den Wahlkampf hinein und unterstellte den oppositionellen US-Demokraten, hinter der “Karawane” aus Honduras zu stecken.

Trump zieht das Thema in den Wahlkampf

Der US-Präsident sagte an die Adresse der Demokraten, wie üblich ohne Belege zu liefern: “Sie wollten diese Karawane und es gibt welche, die sagen, dass diese Karawane nicht einfach so passiert ist.” Zuvor hatte der Trump von einem “Angriff auf unser Land an” gesprochen.

Erst vor wenigen Tagen ließ er Hilfszahlungen an Guatemala, Honduras und El Salvador einstellen, weil aus diesen Ländern Flüchtlinge über Mexiko in die USA strömten. Die Führung der Staaten tue wenig, um den Zustrom zu stoppen, argumentierte Trump. Unter den Migranten befänden sich viele Kriminelle, schrieb er, ohne nähere Details zu nennen.

Trumps Mauerprojekt stockt

Einer dieser Migranten ist Denis Contreras. Er hat sich mit seiner Schwester und zwei Nichten von Honduras aus auf den beschwerlichen Weg Richtung USA gemacht. “Das ist der Anfang einer Lawine, die rollt, weil wir so viel Gewalt nicht mehr ertragen”, sagte er einem AFP-Reporter in Guatemala-Stadt. Aus seiner Sicht gibt es für ihn nun kein Zurück mehr, weil eine Flucht bei den heimischen kriminellen Banden “schlecht angesehen” sei – was einem Todesurteil gleich komme.

Honduras gehört besonders wegen der brutalen und mächtigen Jugendbanden und des Drogenhandels zu den Ländern mit den weltweit höchsten Gewaltraten. Außerdem leben 68 Prozent der neun Millionen Einwohner in Armut.

Nach Angaben der Vereinten Nationen passieren jährlich mehr als eine halbe Million Menschen illegal Mexikos südliche Grenze, um von dort in die USA zu gelangen. Der Stopp der illegalen Einwanderung ist ein Kernthema von Trumps Agenda. Er will dazu eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten. Der Kongress verweigert ihm bislang aber die 25 Milliarden Dollar (knapp 22 Milliarden Euro), die er für das Mammutprojekt verlangt.

Source :

t-online

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