Mr. Bean gibt wieder den Bond

GEHEIMDIENST NACH VORSCHRIFT: ROWAN ATKINSON TRITT ALS TROTTEL-AGENT „JOHNNY ENGLISH“ ZUM DRITTEN MAL AN, DIE WELT ZU RETTEN.

Foto: Reuters

 

Es gibt nur noch wenige Komiker, die mit vollem Körpereinsatz versuchen, ihr Publikum zum Lachen zu bringen, wie einst Charlie Chaplin, Buster Keaton oder Jacques Tati. Komiker vertrauen heute auf ihre verbale Schlagkraft. Rowan Atkinson verstand sich stets als Ausnahmeerscheinung, in der Tradition der physical comedy. Der schlaksige Körperbau und das gummiartige Gesicht, das er zu wilden Grimassen verziehen kann, waren sein komödiantisches Kapital. Atkinsons Mr. Bean kam fast ohne Worte aus.

Das Image des sonderlichen Tollpatsches konnte er nicht abschütteln, Atkinsons Versuche, in konventionellere Rollen zu wechseln, schlugen fehl. Wenn er nun mit „Johnny English – Man lebt nur dreimal“ nach siebenjähriger Abstinenz zu seinem anderen Franchise-Erfolg nach „Mr. Bean“ zurückkehrt, steckt darin auch ein Stück Kapitulation. Das Genre der James-Bond-Verballhornung hat mit „Austin Powers“ und zuletzt „Spy: Susan Cooper Undercover“ einige erfolgreiche Titel hervorgebracht. Die zwei „Johnny English“-Filme waren eher solide Kassenerfolge, auf dem US-Markt konnte der vertrottelte britische Geheimagent aber nie Fuß fassen. Komödiantische Spannkraft bezieht der Westentaschen-Bond aus der Diskrepanz zwischen einem übermächtigen Selbstbewusstsein und seiner Inkompetenz. Im Kern ist Johnny English ein Seelenverwandter Mr. Beans – der sich allerdings wie 007 fühlt. Fernsehregisseur David Kerr treibt in seinem Kinodebüt die Schieflage zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung noch ein Stück weiter: Der bekennende Old-School-Agent English gerät in seinem dritten Abenteuer in Konflikt mit der digitalen Moderne. Nach einem verpatzten Einsatz schlägt er sich als Geografielehrer in einem ländlichen Internat durch, wo er die Schüler in nächtlichen Geländespielen heimlich zu Nachwuchsspionen ausbildet. Als durch einen Cyberangriff aber alle Agenten des MI7 auffliegen, weist die Premierministerin (Emma Thompson) die Geheimdienste an, ausrangierte Mitarbeiter zu reaktivieren.

100-prozentige Erfüllung der Erwartungshaltung

So geraten English und sein ähnlich linkischer Partner Bough (Ben Miller) wieder in den Dienst Ihrer Majestät. Sie sollen den Hacker ausmachen, der mit seinen Attacken das öffentliche Leben im Vereinigten Königreich sabotiert. Beim obligatorischen Besuch in der Entwicklungsabteilung bekommt English statt der üblichen Gadgets nur ein Smartphone ausgehändigt, das der Analog-Spion entschieden zurückweist. Hinten im Schrank findet sich dann aber doch noch eine Knarre – und in der Garage ein betagter Aston Martin statt des Hybrid-Vehikels.

Im Hafen von Antibes liegt die Jacht des Dotcom-Milliardärs Jason Volta (Jake Lacey als Zuckerberg-Villain), vollgestopft mit krimineller Servertechnik, auf der eine undurchsichtige russische Agentin (Olga Kurylenko) ihren Dienst verrichtet. Volta droht, der Welt das Internet abzuschalten. Kerr und Drehbuchautor William Davis setzten auf klassische Genrezutaten, unter anderem eine Slapstickeinlage im Nobelrestaurant, in der English und sein Partner als Kellner ihr Unwesen treiben. Beim Anrichten eines Hummers geht schief, was nur schiefgehen kann – wie schon in zahllosen Komödien zuvor.

„Johnny English – Man lebt nur dreimal“ sieht seine Mission in 100-prozentiger Erfüllung der Erwartungshaltung. Genug für 88 Minuten moderater Familienunterhaltung, in der sich die Komik wie hinter Glas abzuspielen scheint. Es sind eher die letzten Zuckungen eines Franchise als ein vielversprechendes Relaunch.

Source :

tagesspiegel

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