MVV: Verwirrende Automaten machen Kunden zu Schwarzfahrern

Foto: Daniel von Loeper

 

Ringe, Zonen, Tagesticket, Streifenkarte, S-Bahn, U-Bahn, Tram: Das Tarif- und Automatensystem in München ist kompliziert, unübersichtlich – und macht so manchen unfreiwillig zum Schwarzfahrer.

Die S-Bahn in München: Helga Montag bringt gerade ihren ausländischen Freund zum Flughafen. Weil beide mehrere Fahrten in München an diesem Tag haben, recherchiert die Münchnerin im Internet, dass die Tageskarte das beste Ticket ist; sie sagt ihrem Freund, er möge sich eine solche Karte am Automaten besorgen. Sie selbst zieht ebenfalls ein Tagesticket am Automaten. Dann treffen sie sich, warten auf die S8 in Richtung Flughafen, fahren los. Alles in Ordnung. Bisher. Kurz vor dem Flughafen werden die beiden auf ihre Fahrscheine hin kontrolliert.

Das Problem mit dem Entwerten

Wie kann das sein? Beide schauen genauer hin. Beide haben eine 13-Euro-Gesamtnetz-Karte in der Hand. Die Erklärung: Helga Montags Ticket war bereits entwertet. Nicht aber das ihres Freundes. “Auf seinem stand auf deutsch drauf: Bitte hier entwerten, aber nicht großartig”, erzählt sie, “es stand auf beiden das Datum drauf. Für jemanden, der kein deutsch spricht, ist der Unterschied zwischen den zwei Karten vollkommen undurchsichtig.”

Das Problem: Es gibt zwei Sorten von Automaten, am Marienplatz sogar direkt gegenüber. Die von der S-Bahn geben ein bereits entwertetes Tages Ticket aus, die von der MVG nicht. Da der ausländische Besucher das Prinzip “entwerten” nicht kennt, und dazu Tageskarte für ihn eine TAGES-Karte war, kam es zu dem Missverständnis.

Kontrolleure bleiben hart

Der Kontrolleur zeigt keine Kulanz; er sagt, der Kunde hätte die Beförderungsbedingungen auf englisch lesen, seine Kartenbestellung gleich auf englisch erledigen können. Fürs Schwarzfahren werden – wie in München üblich – 60 Euro fällig.

Kontrolleure sollen auch nicht diskutieren und dürften nicht kulant sein, sagen die Zuständigen der S-Bahn. Dafür gebe es den Kundenservice. Am MVG Infopoint bekommt Helga Montag zu hören: Man kenne das Problem, könne aber nichts machen. “Beide Seiten kennen das Problem”, erwidert Montag, “und die Passagiere rauschen rein.”

MVG: Manche Kunden schätzen Vorratskäufe

Der MVV sagt: Nicht mein Problem! Denn, Zitat: “Der Vertrieb von Fahrkarten liegt in den Händen des jeweiligen Unternehmens”. Also Frage an die S-Bahn. Die S-Bahn meint, ihre Gäste seien es eben gewohnt, gültige Tickets aus dem Automaten zu bekommen: Sollte dann nicht vielleicht die MVG endlich auch ihr System umstellen, in ein einheitliches System? Ist das vielleicht Kompetenzgerangel?

Im Zuge der großen MVG-Tarifreform kämen aber auch die bisherigen Automatensysteme auf dem Prüfstand, erklärt Korte. Eine Einheitlichkeit ist also in Sicht. Vielleicht, wenn sich alle Beteiligten einigen. Doch solange gibt es eben an ein- und demselben Bahnhof zwei Sorten von Automaten: Die einen drucken sofort gültige Tickets aus, die anderen nicht.

Wohl dem, der das weiß!

Source :

BR

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