Raumsonde BepiColombo startet zum Merkur

BISHER GAB ES ERST ZWEI RAUMSONDEN-MISSIONEN ZUM MERKUR: DIE NASA-RAUMSONDEN MARINER 10 IN DEN 1970ER-JAHREN UND MESSENGER, DEREN MISSION 2015 ENDETE. JETZT STARTET DIE EUROPÄISCH-JAPANISCHE RAUMSONDE BEPICOLOMBO ZUM SONNENNÄCHSTEN PLANETEN. EINE MISSION, DIE ALLES ANDERE ALS LANGWEILIG WERDEN DÜRFTE.

Foto: Stephane Corvaja/ESA/dpa

 

Seit 15 Jahren arbeitet Johannes Benkhoff bei BepiColombo mit, der dritten Raumsonde überhaupt zum Planeten Merkur. Morgen früh um 3:45 Uhr Mitteleuropäischer Zeit soll sie auf einer Ariane-5-Rakete aus Französisch-Guayana starten.

„Am Anfang war es so, dass viele gesagt haben: Ach Merkur, der sieht ja so aus wie der Mond. Es ist ein langweiliger Planet. Da hat mich keiner um diese Mission beneidet.“

Merkur ist ein exotisches und schwer zu erreichendes Ziel: Seine Umlaufbahn liegt uns zwar viel näher als etwa der Asteroidengürtel. Aber weil sich der Merkur viel schneller um die Sonne bewegt als die Erde, muss jede Raumsonde auf dem Weg zu ihm extrem beschleunigt werden. Um Merkurs Orbit zu erreichen ist somit mehr Energie nötig als bei einem Flug zum Pluto.

Mit Schwung zum Merkur

Die von Europäern und Japanern gemeinsam gebaute Raumsonde BepiColombo besitzt aber nur einen schubschwachen Ionenantrieb. Um ihr Ziel zu erreichen, muss sie deshalb unterwegs gehörig Schwung holen.

„Wir müssen sehr viele Vorbeiflüge machen. Für BepiColombo heißt das, dass wir zuerst an der Erde vorbeifliegen, dann haben wir zwei Vorbeiflüge an der Venus und dann noch einmal sechs Vorbeiflüge am Merkur. Insgesamt werden wir sieben Jahre brauchen. In den sieben Jahren werden wir 18 Mal die Sonne umkreisen und dabei ungefähr neun Milliarden Kilometer zurücklegen.“

Der beschwerliche Weg zum vermeintlich langweiligen Merkur könnte sich dennoch lohnen, denn der innerste Planet stieg im Ansehen vieler Planetologen seit dem Planungsstart von BepiColombo. Verantwortlich dafür waren vor allem die Ergebnisse der NASA-Sonde Messenger, deren Mission 2015 endete.

„Eine Sache ist zum Beispiel, dass der Merkur ein Magnetfeld hat, wie es auch die Erde hat. Die Leute von der Messenger-Mission haben jetzt festgestellt, dass dieses Magnetfeld um fast ein Fünftel des Radius verschoben ist.

Wir wollen jetzt mit BepiColombo herausfinden, ob das vielleicht daran lag, dass die amerikanische Mission im Wesentlichen auf der Nordhalbkugel gute Messungen durchführen konnte.“

Unter den Gesteinsplaneten besitzt außer der Erde nur der Merkur ein solches Dipolmagnetfeld, ähnlich dem eines gewaltigen Stabmagneten. Entstehen dürfte es durch das Zusammenspiel fester und flüssiger Bereiche im metallischen Kern des Planeten. Allerdings ist Merkur dafür eigentlich zu klein; sein Inneres sollte längst erkaltet und damit erstarrt sein. Um dieses Rätsel zu lösen, besteht BepiColombo aus zwei Raumsonden: kurz vor Ankunft im Dezember 2025 soll sich der europäische Planetare Orbiter vom Magnetosphären-Orbiter trennen, der von der Japanischen Raumfahrtagentur entwickelt wurde.

Go Murakami ist Missionswissenschaftler des japanischen Teils, dessen am Merkur gesammelte Daten einem ganz anderen Teil der Astronomengemeinde helfen könnten – nämlich den Exoplaneten-Forschern, die nach Planeten jenseits unseres Sonnensystems Ausschau halten.

„Wir wissen erst seit kurzem, dass es sehr viele Exoplaneten gibt, von denen etliche in sehr geringem Abstand um Sterne kreisen, die kühler sind als unsere Sonne. Wir wissen auch, dass die dort herrschenden Temperaturen manche dieser Planeten bewohnbar machen könnten. Aber wir haben bis heute nicht verstanden, wie sich der Teilchenwind dieser Sterne auf die Bewohnbarkeit ihrer Planeten auswirkt. Wir wollen daher mit BepiColombo verstehen, wie sich eine Magnetosphäre in derart extremen Situationen verhält – und dazu müssen wir Merkur beobachten.“

Alles andere als eine langweilige Mission

Viele weitere Fragen sind noch ungeklärt, die BepiColombos NASA-Vorgänger Messenger aufgeworfen hat: Da sind Löcher mit hell verfärbtem Grund, die die Nordhalbkugel des Merkurs überziehen und deren Ursprung unklar ist. Da ist Wassereis an den Polen, das in ständig beschatteten Kratern der Sonnenhitze trotzt. Und da ist eine dünne Atmosphäre, in der leichte Metalle wie Natrium oder Kalzium zirkulieren. Langweilig dürfte die Mission von BepiColombo am Merkur also nicht werden.

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