Russische Regierung fühlt sich von Johnson beleidigt

Der britische Außenminister Boris Johnson (l) und sein russischer Amtskollegen Sergej Lawrow (r) bei einer Pressekonferenz in Moskau. Foto: Stefan Rousseau/dpa

 

Die Vorwürfe an sich sind nicht neu – sie aber in Russland in aller Deutlichkeit vorzutragen, hat schon eine gewisse Qualität: Der britische Außenminister Boris Johnson erklärte bei seinem Besuch in Moskau, Russland habe sich in die Wahlen anderer Länder eingemischt – unter anderem in Deutschland und den USA – und habe offenbar auch in das Brexit-Votum eingreifen wollen.

“Es gibt Bereiche, in denen sich Russland feindseliger gegenüber unseren Interessen verhält als je zuvor seit Ende des Kalten Krieges”, sagte Johnson – wohlgemerkt in Moskau, unmittelbar vor einem Treffen mit seinem Amtskollegen Sergej Lawrow.

Der reagierte unerfreut. Johnson habe eine ganze Tirade aggressiver und beleidigender Aussagen von sich gegeben, beschwerte er sich nach dem Treffen. “Es ist kein Geheimnis, dass unsere Beziehungen derzeit auf einem Tiefpunkt sind.”

Neben der Kritik an Wahl-Einmischungen hatte Johnson auch den russischen Angriff auf die Ukraine und eine Intervention im Westbalkan als Streitpunkt genannt. Zugleich betonte er, dass Moskau und London als ständige Mitglieder im Uno-Sicherheitsrat in Fragen wie Syrien, Nordkorea oder dem Iran-Atomabkommen zusammenarbeiten sollten.

Der Besuch Johnsons war der erste eines britischen Außenministers seit fünf Jahren – doch schon vor Beginn seiner Visite zeigte sich der Außenminister undiplomatisch. Er verglich Russland in einem Interview mit der “Sunday Times” mit dem antiken Sparta. Wie der griechische Stadtstaat sei Russland “verschlossen, übel, militaristisch und undemokratisch”, so Johnson.

Im November hatte auch die britische Premierministerin Theresa May der russischen Regierung vorgeworfen, falsche Nachrichten zu verbreiten, um im Westen Zwietracht zu säen. Zudem habe sich Moskau auch in Wahlen eingemischt und ausländische Behörden gehackt, darunter das dänische Verteidigungsministerium und den deutschen Bundestag, sagte May.

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