Software-Updates für Diesel in 2018 fraglich

Foto: pa/dpa/Ulrich Baumgarten

 

Nach dem jüngsten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts dürfen Städte und Gemeinden Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge aussprechen, um die Luft rein zu halten. Die Autoindustrie will das Problem mit Software-Updates lösen. Doch viel ist seit dem Versprechen von vergangenem August nicht passiert.

Es war eine der letzten Amtshandlungen von Matthias Wissmann als Präsident des Verbandes der Automobilindustrie. Einen Tag vor seinem Ausscheiden kommentierte Wissmann am vergangenen Mittwoch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zu grundsätzlich möglichen Diesel-Fahrverboten. Wissmann wiederholte das, was er in den vergangenen Wochen und Monaten schon betont hatte.

5,3 Millionen Diesel-Fahrzeuge will die Branche bis Ende dieses Jahres mit Software-Updates ausstatten. Das hatten die deutschen Autohersteller der Politik am 2. August 2017 im Rahmen des Diesel-Gipfels versprochen. Die Stickoxid-Emissionen ließen sich so um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent reduzieren.

Zeitplan des Diesel-Gipfels kaum zu halten

Dieser Zeitplan ist nach Informationen von BR Recherche aber kaum zu halten. Zwar haben die am Diesel-Gipfel beteiligten Konzerne, in erster Linie VW, bis heute nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums rund 2,5 Millionen Diesel-Fahrzeuge mit einem Software-Update ausgestattet. Allerdings geschah das in erster Linie nach einer Anordnung des Kraftfahrtbundesamtes. Mehr als die Hälfte der versprochenen freiwilligen Umrüstungen durch die Autokonzerne steht noch aus. Und wann Vollzug gemeldet werden kann, ist vollkommen offen. Mehrere vom Bayerischen Rundfunk angefragte deutsche Automobilhersteller haben in Sachen freiwilliger Software-Nachrüstung noch so gut wie gar nichts unternommen.

Der Volkswagen-Konzern nannte dem BR keinen Zeithorizont.

“Sobald die zuständigen Behörden die Anforderungen an die auf dem Dieselgipfel besprochenen technischen Maßnahmen und die Rahmenbedingungen zu Ihrer Überprüfung definiert haben, können wir die Anzahl der betreffenden Fahrzeuge genau benennen. Bisher sind keine Umrüstungen erfolgt, da diese Anforderungen und Rahmenbedingungen seitens der Behörden noch nicht vorliegen.”

BMW hat die Entwicklung ebenfalls noch nicht abgeschlossen und wird die Updates den Kunden nicht vor Jahresmitte zur Verfügung stellen. Audi arbeitet ebenfalls noch daran und wartet nach eigenen Worten auf grünes Licht vom Kraftfahrtbundesamt.

Bundesverkehrsministerium: Verzögerung liegt an den Herstellern

Das Bundesverkehrsministerium als KBA-Aufsichtsbehörde wiederum schiebt die Verantwortung den Konzernen zu. Der benötigte zeitliche Vorlauf für die Nachrüstung hänge in erster Linie an den internen Freigabeprozessen bei den Herstellern, so das Ressort. Der ADAC wiederum hat für dieses Schwarz-Peter-Spiel wenig Verständnis.

Und so könnte es zu der bizarren Situation kommen, dass Städte und Gemeinden erste Fahrverbote erlassen, bevor für manche Diesel-Modelle überhaupt ein Software-Update erhältlich ist. Hamburg zum Beispiel hat unmittelbar nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts angekündigt, ab April erste Straßen für Diesel zu sperren.

Source :

BR

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