Tafeln in Bayern: Essen für Bedürftige jeden Alters und jeder Hautfarbe

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Seit fast zwei Wochen wird über Tafeln diskutiert, die kostenlos Lebensmittel an Bedürftige geben. Anlass ist eine Entscheidung der Essener Tafel, die vorübergehend keine weiteren Ausländer mehr aufnehmen wollte. Auch in Bayern sind Tafeln oft Vereine, die ihren Abnehmerkreis selbst festlegen können.

Die Tafeln, die kostenlos Lebensmittel an Bedürftige geben, sind in der Diskussion. Denn die Essener Tafel wollten vorübergehend keine weiteren Ausländer mehr aufnehmen. Auch Bayerns Tafeln können ihren Abnehmerkreis selbst festlegen.

Grundsätzlich sollte jeder genug Geld haben, um sich Essen kaufen zu können. Dafür gibt es in Deutschland gegebenenfalls Sozialleistungen. Auch wenn daher niemand lebensbedrohlichen Hunger leiden muss, fehlt vielen das Geld für frische Lebensmittel. Hier können die Tafeln helfen. Deren Prinzip: Ehrenamtliche sammeln bei Geschäften und Herstellern überschüssige, aber einwandfreie Lebensmittel ein und geben sie in ihren Läden kostenlos an Bedürftige weiter. In erster Linie sind das Obst, Gemüse, Brot, andere Backwaren und Milchprodukte – also Lebensmittel, die nur begrenzt haltbar sind.

Örtliche Vereine

Etwa 40 Prozent der Tafeln sind in eigenständigen Vereinen organisiert, wie zum Beispiel die “Schweinfurter Tafel e.V.”. Für die anderen etwa 60 Prozent haben gemeinnützige Organisationen, wie zum Beispiel die Diakonie, Caritas, das Rote Kreuz oder die Arbeiterwohlfahrt die Trägerschaft übernommen. Rund 930 Tafeln gibt es deutschlandweit. In Bayern sind es 169. Der Dachverband “Tafel Deutschland e.V.” wurde 1995 gegründet und vertritt die lokalen Tafeln gegenüber der Politik, der Gesellschaft und den Medien.

Finanzierung aus Spenden

In der Regel sind die Mitarbeiter bei den Tafeln Ehrenamtliche und die Lebensmittel werden gespendet. Die hauptsächliche Finanzquelle für alles, was sonst noch anfällt – vom Kühlwagen für die verderblichen Lebensmittel bis zum Computer im Büro – sind nach eigener Auskunft des Vereins Spenden. In München zum Beispiel werden die Tafeln auch von der Stadt unterstützt, wie Hedwig Thomalla, Pressesprecherin des Sozialreferates München sagt.

Weitere soziale Angebote

In München sind die insgesamt 27 Tafeln ein weit verzweigtes Angebot für kostenlose oder kostengünstige Lebensmittel. Daneben gibt es aber auch den Verein “Essenshilfe München”, der ähnlich wie die Tafel Lebensmittel bei Geschäften einsammelt und – allerdings gegen einen kleinen Beitrag – an Bedürftige abgibt. Wie bei den Tafeln dürften hier Menschen angesprochen werden, die sich Lebensmittel für zu Hause holen und selber kochen oder sich ihr Essen selber zubereiten. Andere Einrichtungen bieten warmes Essen an. In München etwa die Heilsarmee oder St. Bonifaz. Wieder andere Angebote haben direkt das Ziel, Obdachlose zu versorgen – zum Beispiel die “Möwe Jonathan”, die mit einem Bus auf der Straße unterwegs ist und Tee und Brotzeit an Obdachlose verteilt.

Arbeitslose, Kinder, Rentner, Migranten

Die Tafeln unterstützen Menschen, die zumeist bereits auf staatliche Hilfe angewiesen sind: Langzeitarbeitslose, Rentner mit wenig Geld, Jugendliche und Kinder in Armut, Asylbewerber, Bafög-Empfänger, Menschen in vorübergehenden Notlagen. Welchem Personenkreis genau sie einen Berechtigungsschein für ihre Lebensmittel ausstellen, können die örtlichen Tafeln in der Regel selbst entscheiden. Denn sie sind als eigenständige Vereine organisiert.

Derzeit in der Diskussion stehen die Lebensmittelgaben an Migranten. “Im Jahr 2016 sind wir auch an unsere Grenzen gestoßen”, sagte Gertrud Morgenstern von der Tafel Schweinfurt gegenüber dem BR. “Und natürlich merken wir auch heute noch, dass der Bedarf an Lebensmitteln für Familien ohne Geld durch die Flüchtenden größer geworden ist.” Dennoch stünden hinter den Abholern oft Familien mit Kindern.

Zunehmende Altersarmut

Die Tafel Bayern sorgt sich “um die weiterhin hohe Anzahl der bedürftigen Kinder und Jugendlichen”. Ihr Vorsitzender Reiner Haupka kritisiert an den sozialpolitischen Entwicklungen die zunehmende Altersarmut.

Auch wenn hier die Kritik an der Politik laut wird, die es nicht verhindern kann, dass überhaupt Leute auf die Tafel angewiesen sind: ist dennoch ein Politiker Schirmherr der Tafel Bayern ist ein Politiker: Helmut Brunner, der bayerische Landwirtschaftsminister. In seinem Grußwort lobt er das Vorgehen gegen Lebensmittelverschwendung, die Armutsbekämpfung und “gelebte Solidarität und Menschlichkeit”.

7.000 Ehrenamtliche

In Bayern engagieren sich rund 7.000 Ehrenamtliche bei den Tafeln und ermöglichen, dass etwa 200.000 Menschen im Jahr besser versorgt werden. Die Tafeln können, wie sie selbst betonen, nicht die komplette Ernährung der Bedürftigen stellen, sondern den Speiseplan mit den meist nicht lange haltbaren Lebensmitteln ergänzen.

Der Zuspruch zu den Tafeln steigt auf beiden Seiten. “Die Menge der gespendeten Lebensmittel ist tendenziell steigend”, so der Landesverband Bayern, “aber nicht in der Geschwindigkeit, in der die Nachfrage steigt.”

Source :

BR

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