Warum die Affäre mit der Pornodarstellerin für Trump zum Problem wird

Foto: AFP / GETTY IMAGES

 

Kennen Sie David Dennison? Nein? Nicht so schlimm. David Dennison ist ein Pseudonym für Donald Trump. Sein Anwalt soll es genutzt haben, als er im Wahlkampf 2016 eine angebliche Schweige-Vereinbarung mit dem Porno-Star Stormy Daniels aufsetzte.

So schildert es Stormy Daniels. David Dennison alias Donald Trump vereinbarte demnach mit Peggy Peterson alias Stormy Daniels alias Stephanie Clifford (ja, sie hat zwei Pseudonyme) Folgendes: Stormy Daniels wird nicht wieder behaupten, dass sie im Jahr 2006 angeblich eine Affäre mit Donald Trump hatte. Dafür erhält sie 130.000 Dollar. Bei Zuwiderhandlungen gegen den Vertrag droht ihr eine Geldstrafe von einer Million Dollar.

Willkommen in der Welt von David Dennison und Peggy Peterson: Die angebliche Affäre zwischen dem Pornostar und dem späteren Präsidenten sorgt in Amerika schon eine ganze Weile für Schlagzeilen. Doch nun kommen fast jeden Tag neue Details in der Sache ans Licht, weil Stormy Daniels-Peterson-Clifford vor einem Gericht in Los Angeles erreichen will, dass die alte Vereinbarung von 2016 für ungültig erklärt wird.

David Dennison alias Donald Trump habe die Erklärung damals nicht persönlich unterschrieben, obwohl er Vertragspartei gewesen sei, lautet eines ihrer Argumente. Tatsächlich findet sich in einem Faksimile des Papiers, das Daniels präsentiert, neben dem Namen David Dennison nur ein leerer Strich. Unterschrieben hat dafür aber wohl Trumps Anwalt Michael Cohen.

Daniels würde ihre Sicht auf die angebliche Affäre gern öffentlich machen. Trumps Anwalt Cohen hält wiederum dagegen: Er ließ richterlich verfügen, dass sie – zumindest vorerst – schweigen muss. Nun wird die Sache in Kalifornien weiterverhandelt.

Amerikas Kabelsender berichten praktisch rund um die Uhr über alle Details dieser bizarren Begebenheit. Es geht fast mehr Sendezeit dafür drauf als für den Handelskrieg oder Nordkorea, was womöglich auch damit zu tun hat, dass das Vorzeigen der Oberweite von Stormy Daniels für gute Quoten sorgt.

Die Frage, die man sich als Nicht-Amerikaner sofort stellt, lautet allerdings: Hat das Ganze irgendeine politische Relevanz? Muss man das wissen? Die Antwort: Ja. Oder Nein. Vielleicht.

Reine Privatsache? Eher nicht.

Man könnte einerseits sagen: Da es nicht um den Vorwurf der sexuellen Belästigung geht (wie in anderen Fällen, in die Trump verwickelt ist), geht die Sache eigentlich niemanden etwas an. Offenkundig sucht Stormy Daniels Publicity und will von dem ganzen Skandal womöglich finanziell profitieren – etwa durch lukrative Buch- oder Filmverträge.

Ob Trump vor elf Jahren mit dem Pornostar wirklich eine Affäre hatte oder nicht, sollte also erst einmal seine Privatsache sein. Dies gilt im Prinzip selbst dann, wenn Daniels tatsächlich elf Tage vor der Präsidentenwahl 2016 von Trumps Anwalt 130.000 Dollar als sogenanntes Hush Money, also Schweigegeld, erhielt, damit ein möglicher Skandal nicht dessen Wahlchancen gefährdet.

Andererseits ist Donald Trump nun der mächtigste Mann der Welt. Die Affäre belastet ihn, lenkt ihn womöglich von seinen eigentlichen Aufgaben ab. Und sie hat politische Weiterungen. Deshalb ist die Sache dann doch wieder relevant.

Da ist einmal die Frage der Glaubwürdigkeit. Trump äußert sich bislang nicht zu der Angelegenheit, lässt aber mitteilen, die Affären-Geschichte von Frau Daniels sei natürlich nicht wahr. Nur: Wenn es damals am Lake Tahoe am Rande eines Promi-Golfturniers tatsächlich nicht zu Sex zwischen Trump und dem Pornostar gekommen sein soll, hätte es eigentlich nie eine Schweige-Vereinbarung gebraucht.

Problematisches Verhältnis zur Wahrheit

Es gibt sie aber ganz offenkundig. Vieles spricht dafür, dass Trumps Anwalt Cohen die Vereinbarung tatsächlich abgeschlossen hat. Er hat jedenfalls öffentlich eingeräumt, die 130.000 Dollar über eine Briefkastenfirma an Stormy Daniels gezahlt zu haben. Das macht Trumps Position, es habe nie eine Affäre gegeben, mindestens unglaubwürdig. Stormy Daniels’ Anwalt Michael Avenatti wird zudem nicht müde, darauf hinzuweisen, dass es “absurd” sei, anzunehmen, Trump habe von der Vereinbarung zwischen seinem Anwalt Cohen und Daniels nichts gewusst.

Trump, der schon häufiger ein problematisches Verhältnis zur Wahrheit gezeigt hat, erscheint somit einmal mehr als Trickser und Täuscher. Zudem steht er so im Verdacht, ein gewissenloser Ehemann zu sein, der seine Frau Melania mutmaßlich bereits wenige Monate nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes betrogen hat.

Bislang hat ihm dieser Stil bei seiner Wählerbasis nicht geschadet, doch gerade Wechselwähler dürften sich angesichts dieser schlüpfrigen Affäre die Frage stellen, ob dieser Donald Trump für das wichtigste Amt im Staat wirklich geeignet ist.

Schon jetzt zeigen Umfragen, dass sich immer mehr weibliche Wähler von Trump abwenden. Seine Beliebtheitswerte im Volk liegen konstant auf niedrigem Niveau zwischen 30 und 40 Prozent. Zugleich spüren die Demokraten vor den wichtigen Midterm-Wahlen im Herbst einen starken Zulauf von Frauen, die sich politisch engagieren wollen – wohl gerade auch als Reaktion auf den Macho-Mann Donald Trump.

Stormy Daniels droht mit “Bildmaterial”

Hinzu kommt, dass einige Trump-Kritiker überprüfen lassen wollen, ob der Präsident und sein Anwalt mit den Zahlungen an Stormy Daniels möglicherweise gegen staatliche Offenlegungspflichten verstoßen haben könnten. Hätte das Geld, wenn es denn wirklich vom Anwalt und nicht von Trump gekommen ist, nicht als Wahlkampfzuwendung deklariert werden müssen? Richard Painter, Rechtsexperte und früherer Chefjurist im Weißen Haus unter George W. Bush, meint zudem, Trump hätte die Briefkastenfirma, die das Geld an Daniels zahlte, in der offiziellen Liste seiner Firmenanteile nennen müssen.

So oder so ist die unangenehme Angelegenheit für Trump offenbar noch längst nicht ausgestanden. Stormy Daniels scheint jedenfalls fest entschlossen zu sein, die Aufmerksamkeit, die ihr die Affäre bringt, weiter auszukosten, auch wenn Rechtsexperten ihre Chancen auf einen Erfolg vor Gericht als nicht besonders hoch einschätzen.

Ironischerweise bedient sie sich bei ihrem Kampf gegen Trump einer PR-Methode, die er selbst sonst auch gern benutzt, um alle Blicke auf sich zu lenken. Sie macht vage Andeutungen: In ihrer Klage gegen den Vertrag mit David Dennison kündigt sie an, sie könne in der Angelegenheit auch “Bildmaterial” und “Kurznachrichten” präsentieren.

Für eine Fortsetzung der Geschichte ist also gesorgt.

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