Was die Midterms für Deutschland bedeuten

Dieser US-Präsident macht kein Hehl daraus, dass er mit den Deutschen wenig anfangen kann. Hat er ihnen gar insgeheim den Krieg erklärt?

Photo : dpa / Evan Vucci

 

Selten haben die Deutschen bei amerikanischen Kongresswahlen so mitgefiebert wie in diesen Wochen. Wie werden sich die US-Wähler entscheiden? Die meisten Beobachter diesseits des Atlantiks hoffen, dass sie zur vermeintlichen Einsicht kommen. Sie sollen dem „Unhold“ in Washington endlich Fesseln anlegen. Indem sie den Demokraten die Mehrheit im Abgeordnetenhaus verschaffen – und am besten im ehrwürdigen Senat auch noch. Dann wäre es endlich vorbei mit den Willkürentscheidungen eines Mannes, der mit seinen ungehobelten Auftritten die Welt vor sich hertreibt.

Eine trügerische Hoffnung. Zum einen ist hochgradig ungewiss, wie die Abstimmung heute Nacht wirklich ausgeht. Zwar rechnen die Demoskopen damit, dass die Demokraten zumindest das Abgeordnetenhaus erobern, doch die Daten sind wackelig. Dieser Präsident kommt bei seinen Landsleuten besser an, als wir aus der Ferne wahrhaben wollen. Die allermeisten finden, dass die Wirtschaft gerade perfekt auf allen Zylindern läuft. Seine raue Außenpolitik, vor allem gegenüber China, wird selbst von seinen Gegnern unterstützt. Erstmals bescheinigen ihm Umfragen, dass er beliebter ist als sein Vorgänger Barack Obama. Unermüdlich jagt Donald Trump durchs Land, um auch noch im letzten umkämpften Staat den Sieg zu sichern. Eine ähnliche Galionsfigur haben die Demokraten nicht – Obamas Wahlkampfeinsätze werden nur von einer Minderheit begrüßt.

Hässliche Zankerei

Zum anderen aber würde selbst ein Sieg der Trump-Gegner die Amerikaner nicht beruhigen, und schon gar nicht den Präsidenten. Die Demokraten würden mit einer noch nie da gewesenen parlamentarischen Offensive versuchen, dem verhassten Gegner das Regieren schwer zu machen und eine überaus hässliche Zankerei entfachen. Die Zustände an der Heimatfront würden den bedrängten Staatschef dazu treiben, seine Siege andernorts zu erkämpfen: Er würde noch mehr mit Erlassen am Parlament vorbeiregieren als ohnehin schon. Und er würde noch mehr versuchen, mit einer konfrontationsträchtigen Außenpolitik bei Joe Sixpack zu punkten. Schon jetzt juckt es Trump, seinen kundigen Verteidigungsminister Jim Mattis zu feuern, der ihm als zu bündnistreu gilt. Er könnte seiner Nato-Skepsis Taten folgen lassen und den Rückzug der Amerikaner von der Allianz vorbereiten. Nicht nur der Präsident, auch seine Klientel ist ja von dem Gedanken beseelt, dass Amerika keine Alliierten braucht, weil es mächtig genug sei.

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