Wie Japans Politiker und Prominente Hitler verharmlosen

Source : Internet

Japan war im Zweiten Weltkrieg ein zentraler Bündnispartner von Nazi-Deutschland. Das Land bildete gemeinsam mit Italien die Achse Berlin-Rom-Tokio. In dem Land in Fernost bildete sich aber nie ein breiter Konsens über den Umgang mit der Vergangenheit. Während in Deutschland seit Jahrzehnten eine tiefgehende Debatte über die nationalsozialistische Vergangenheit geführt wird, gibt es in Japan bis heute eine starke nationalkonservative Strömung im Land, die diese Vorkommnisse tendenziell verharmlost.

In Japan kommt es regelmäßig zu Äußerungen von prominenten Persönlichkeiten, die auch den Nationalsozialismus in Deutschland relativieren. Schon zum zweiten Mal war es nun Japans Finanzminister Taro Aso, der mit fragwürdigen Bemerkungen über Adolf Hitler für Empörung sorgte.

In dieser Woche sagte Aso vor Mitgliedern der Parlamentsfraktion seiner regierenden Liberaldemokratischen Partei: „Ich hinterfrage Ihre Motive nicht, warum Sie Politiker sind. Doch auf die Ergebnisse kommt es an. Hitler, der Millionen von Menschen auf dem Gewissen hat, war nicht gut, auch wenn seine Absichten richtig waren.“

Die in den USA beheimatete jüdische Nichtregierungsorganisation Simon Wiesenthal Center äußerte „Schmerz und Enttäuschung“ über die Bemerkungen Asos. Später distanzierte sich der Finanzminister von seinen Äußerungen. Er bedauere dies und habe nicht die Absicht gehabt, den Nazi-Herrscher zu verteidigen.

Nicht die erste Hitler-Aussage

Der neue Vorfall gehört zu einer ganzen Reihe von positiven Bemerkungen über Adolf Hitler aus Japan. Bereits 2013 war Taro Aso mit Äußerungen über den Aufstieg Hitlers aufgefallen, die als Lob interpretiert wurden. Damals meinte der Finanzminister, man müsse sich die heimlichen Änderung des Grundgesetzes der Weimarer Republik durch Hitler zum Vorbild für die geplante japanische Verfassungsänderung nehmen.

Auch Yutaka Harada, ein führender japanischer Währungshüter, lobte im Juni diesen Jahres Hitlers Wirtschaftspolitik und löste damit Irritationen aus. Die Notenbank entschuldigte sich später für die Bemerkungen.

Katsuya Takasu, ein bekannter Schönheitschirurg und TV-Promi leugnete den Holocaust und schrieb 2015 in einem Tweet, „wie großartig“ der Nationalsozialismus gewesen sei. Auch in Japans Musik-Szene erscheint der Umgang mit Nazi-Symbolen fragwürdig. Schon zweimal zeigten sich populäre Bands in Nazi-Uniformen bei öffentlichen Auftritten.

Der 76-jährige Finanzminister Taro Aso zeigte nun einmal mehr, dass Japans Umgang mit seiner Vergangenheit ein anderer ist als in Deutschland. In den vergangenen Jahren rüstete das ostasiatische Land im Pazifik stark auf und löst dabei Sorge bei benachbarten Staaten aus – nicht zuletzt wegen seiner Vergangenheit.

Japan war im Zweiten Weltkrieg unter anderem in China einmarschiert und hatte die USA angegriffen. Auf dem asiatischen Festland kam es dabei auch zu Massakern an Zivilisten und Krieggefangenen. Die Aufarbeitung spaltet Japans Gesellschaft bis heute und sorgt für Spannungen mit den Nachbarn in der Region.

So werden im Yasukuni-Schrein in Tokio bis heute die Seelen von Kriegsverbrechern verehrt. Immer sorgt es für Empörung, wenn japanische Regierungschefs den Schrein besuchen. Auch der amtierenden japanische Premier Shinzo Abe ehrte schon die Toten im Schrein.

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