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Warum Gibt Es So Viele Mohnblumen in Diesem Sommer 2023…

Allüberall blüht in diesen Tagen Klatschmohn, doch gibt es wirklich mehr rote Blüten als sonst? Das sagen Experten zu diesem Mohnblumen-Sommer.

In diesem Frühsommer blühen die Mohnblumen allüberall – am Straßenrand, neben den Bahngleisen, entlang der Autobahn und im Garten. Nicht nur in Deutschland, an vielen Orten in Europa sind die roten Blüten vielerorts zu sehen. Klatschmohn ist eine Ackerwildblume. Sie blüht von Mai bis Juli – doch eine Blüte hält nur höchstens zwei bis drei Tage – manchmal auch nur einen Tag.

Warum gibt es in diesem Jahr so viele Mohnblumen?

Und hat das vielleicht etwas mit dem Klimawandel zu tun?

Diese Fragen hat Euronews verschiedenen Biologinnen und Biologen gestellt, doch es war gar nicht so einfach, Antworten zu bekommen.

Dr. Gregor Schmitz leitet den Botanischen Garten der Uni Konstanz, er zweifelt zunächst sogar daran, dass es in diesem Jahr wirklich mehr Mohn gibt als sonst. “Man muss bei subjektiven Eindrücken immer etwas vorsichtig sein”, meint der Biologe, der erklärt, dass es neben Klatschmohn auch noch Saat-, Hybrid- und Sandmohn gibt.

Vor allem an Baustellen blüht der Mohn

Ökologie-Professor Mark van Kleunen bestätigt allerdings den subjektiven Eindruck, er sagt: “Mir ist auch aufgefallen dass es an bestimmten Orten sehr viele Mohnblumen gibt, vor allem an der Autobahn an Stellen, wo es vor kurzem noch Bauarbeiten gegeben hat.” Wie sein Kollege Schmitz geht van Kleunen davon aus, dass der Mohn in den Samenmischungen von Wildkräutern enthalten ist, mit denen die Baustellen nach den Arbeiten begrünt werden.

Professor Veit Martin Dörken beoachtet die Bodensee-Gegend, er stellt fest: “In den großen Baustellen ist überall massenhaft Mohn, aber in den landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr oder weniger als die Jahre zuvor.”

Ackerunkraut, das kaum noch auf Äckern vorkommt

So sieht es auch Dr. Armin Jagel aus Bochum, dem im Stadtgebiet oder im ländlichen Raum keine Zunahme von Mohn aufgefallen ist. “Klatsch-Mohn ist ja eigentlich ein Ackerunkraut, es ist aber aus den Äckern aufgrund der Herbizide daraus weitgehend verschwunden und kann auch nicht wiederkommen, solange gespritzt wird.”

Ursprünglich hatte sich Mohn auch durch verunreinigtes Getreidesaatgut vor allem aus Nordafrika immer weiter ausgebreitet. Inzwischen wird er auch ausgesät, zum Beispiel um Ödland zu begrünen. 

Viele Baustellen, viel Mohn

Klatschmohn werde vor allem an “Ruderalstellen, also an Stellen mit gestörten Böden, Baustellen, etc.” beobachtet. “Hier in Bochum haben wir auch solche Straßenböschungen an der neuen Autobahn A448. Diese werden oft zum schnellen Erosionsschutz mit Roggen-Trespe angesät und darin sind offensichtlich auch andere “Unkräuter” enthalten, neben Klatsch-Mohn z.B. gerne Kornblume. Wenn es also statistisch gesehen derzeit überhaupt mehr Mohn gibt, dann könnte das eher an der Vielzahl an Baustellen liegen :)” 

Mohnpopulationen können im zweiten Jahr “explodieren”

Zu Mohnblumen im Saatgut erklärt Professor Dörken: “Es kann gut sein, dass vor allem ab dem zweiten Jahr die Mohnpopulationen explodieren. Aber das wird ein temporärer Effekt sein, sobald die Gräser den Boden bedecken, wird der Mohn schlagartig zurückgedrängt, bleibt aber dann in der Samenbank des Bodens erhalten und kann dann bei erneuten Störungen wieder auskeimen.”

Mohn profitiert eher vom feuchten Frühjahr als vom Klimawandel

Die Hypothese, dass die vielen Mohnblumen etwas mit dem Klimawandel und der Erderwärmung zu tun haben, hält Gregor Schmitz für falsch. “Dann müsste der Mohn über die letzten Jahre in der Landschaft zunehmen und sich z.B. seine nördliche Vorkommensgrenze nach Norden verschieben.”

Der Biologe der Uni Konstanz verweist auf der Spurensuche nach Gründen für die vielen Mohnblumen auf das feuchte Frühjahr mit guten Keimbedingungen.

Wildblumen für eine grünere Welt

In einem der beiden Samentütchen, die die Wochenzeitung DIE ZEIT Anfang Mai für eine grünere Welt verteilt hat, waren Mohnblumen enthalten. Wildpflanzen und Feldblumen tragen nämlich zum Artenschutz bei, denn sie bieten einen Raum für eine vielfältige Kleintierwelt. Da Mohn- und andere Wildblumen von Gärtnerinnen und Gärtnern oft als “Unkraut” angesehen und gejätet wurden oder werden, ist es wieder notwendig, kleine Biotope anzulegen, um Bienen und anderen Insekten einen Lebensraum zu schaffen.

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