Affenpocken-Fall in München bestätigt – Grund zur Panik?

Affenpockenfälle wurden in München gemeldet. Ist das ein Grund zur Panik? Was sind Affenpocken?

München (27/05 – 33.33) In München ist ein Fall von Affenpocken bestätigt worden.  Darauf wies Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Freitag hin. Der Patient stammt aus Brasilien und wird bereits in der Münchner Klinik Schwabing isoliert.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (  RKI  ) ist dies der erste Fall von Affenpocken in Deutschland. Das RKI  und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (  LGL  ) schätzen das allgemeine Infektionsrisiko für die Bevölkerung in Bayern derzeit als gering ein.

Holetschek betonte: „Das bayerische Gesundheitsministerium steht in engem Kontakt mit der Klinik und dem  RKI  . Das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt München identifiziert derzeit weitere enge Kontakte. Diese werden ausführlich erklärt und über mögliche Symptome, Hygienemaßnahmen und Übertragungswege aufgeklärt. Auch die  LGL  -Arbeitsgruppe Infektiologie ist bereits involviert. Alle Gesundheitsämter in Bayern werden noch heute ausführlich informiert.“

Nachdem der Mann die ersten Symptome bemerkt hatte, begab er sich sofort selbstständig zu einer ärztlichen Untersuchung. Die konkrete Diagnostik wurde umgehend eingeleitet und das Gesundheitsamt aufgrund des Verdachts auf die nun typischen Symptome informiert. Ein spezieller  PCR  -Test der Bundeswehr bestätigte, dass der Patient mit dem Virus infiziert war. Ob es sich um den west- oder zentralafrikanischen Stamm des Virus handelt, wird durch laufende Sequenzierung bis Mitte nächster Woche ermittelt.

Es handelt sich um einen 26-jährigen Mann, der aus Portugal über Spanien nach Deutschland eingereist ist und sich seit etwa einer Woche in München aufhält. Vor seiner Ankunft in München war er in Düsseldorf und Frankfurt.

Die Münchner Gesundheitsdezernentin Beatrix Zurek  erklärte: „Nach Bekanntwerden des Verdachtsfalls durch die Praxismeldung haben wir umgehend Kontakt mit der betroffenen Person aufgenommen und enge Kontaktpersonen abgeklärt sowie weitere Maßnahmen wie die Isolierung des Patienten ergriffen. Die weiteren Untersuchungen und Maßnahmen des Gesundheitsamtes der Landeshauptstadt München erfolgen in enger Abstimmung mit dem Klinikum München, dem Tropeninstitut der LMU und mit Experten auf Landes- und Bundesebene.

Die Betreuung erfolgt isoliert vom übrigen Klinikbetrieb in der Abteilung Infektiologie des Münchner Klinikums Schwabing. Die Krankheit ist meldepflichtig. Das Virus wurde derzeit in mehreren Ländern nachgewiesen und Verdachtsfälle werden geprüft. Bisher gab es Meldungen und Verdachtsfälle auf drei Kontinenten.

Prof. Christian Weidner  , Präsident des  LGL  , betonte: „Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist grundsätzlich möglich, aber meist nur bei intensivem Körperkontakt wahrscheinlich. Insbesondere medizinisches Personal sollte dennoch die üblichen Schutzmaßnahmen gegen Tröpfchen- und Schmierinfektionen einhalten, wenn es mit Verdachtsfällen oder  Infizierten in Kontakt kommt.

Prof. Weidner ergänzt: „Bei einer Infektion mit dem Affenpockenvirus kann es 7 bis 21 Tage dauern, bis erste Symptome auftreten. Betroffene leiden dann unter Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, es kann auch zu Lymphknotenschwellungen und einem großflächigen Hautausschlag kommen. Die Läsionen beginnen normalerweise im Gesicht, ähneln einem Pockenausschlag und breiten sich dann weiter über den Körper aus.“

Prof. Clemens Wendtner  , Chefarzt der Abteilung Infektiologie Schwabing, erklärt: „Dem jungen Mann geht es gut – er hat leichte Symptome mit leichten Schluckbeschwerden und erhöhter Temperatur. Die krankheitstypischen Pusteln lösen einen entsprechenden Juckreiz aus. Er benötigt derzeit keine speziellen Medikamente. Ein spezielles Präparat, das seit Anfang 2022 zur Behandlung in der EU zugelassen ist, wird präventiv aus der Krankenhausapotheke des Klinikums München bezogen.

Prof. Wendtner ergänzte: „Der junge Mann hat sich sofort nach Auftreten der Symptome sehr verantwortungsbewusst in ärztliche Behandlung begeben, um andere vor einer Ansteckung zu schützen. Deshalb bleibt er noch bei uns, da wir davon ausgehen, dass er drei bis vier Wochen ansteckend ist.“